Börsenlexikon
Ein Call ist ein Optionsvertrag, der den Käufer berechtigt, aber nicht verpflichtet, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis (Ausübungspreis) innerhalb oder zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kaufen.
Der Käufer einer Call-Option zahlt eine Prämie an den Verkäufer und erhält damit das Recht, den Basiswert (etwa eine Aktie, einen Index oder einen Rohstoff) zu einem im Voraus festgelegten Preis zu erwerben. Dieses Recht kann der Käufer ausüben oder verfallen lassen – je nachdem, ob sich der aktuelle Marktpreis des Basiswerts für ihn günstig entwickelt.
Funktionsweise und Gewinnlogik
Ein Call ist für den Käufer interessant, wenn er mit steigenden Kursen rechnet. Steigt der Marktpreis des Basiswerts über den Ausübungspreis hinaus, kann der Call-Käufer von dieser Differenz profitieren. Ein Rechenbeispiel: Der Ausübungspreis liegt bei 100 Euro, die gezahlte Prämie beträgt 5 Euro. Steigt der Aktienkurs auf 120 Euro, kann der Käufer die Option ausüben, die Aktie für 100 Euro kaufen und am Markt für 120 Euro verkaufen – Gewinn von 20 Euro abzüglich der 5 Euro Prämie = 15 Euro Nettogewinn. Bleibt der Kurs unter 100 Euro, wird die Option nicht ausgeübt; der Verlust ist auf die gezahlte Prämie von 5 Euro begrenzt.
Für den Verkäufer (Stillhalter) funktioniert es umgekehrt: Er kassiert die Prämie, trägt aber das Risiko, dass der Kurs stark steigt. Sein maximaler Gewinn ist die Prämie, sein Risiko theoretisch unbegrenzt.
Relevanz für Privatanleger
Privatanleger nutzen Calls zu zwei Hauptzwecken: zur spekulativen Gewinnverstärkung mit begrenztem Kapitalaufwand oder als Absicherungsinstrument in komplexeren Strategien. Ein Call ermöglicht es, mit weniger Geld größere Marktbewegungen abzubilden – das Risiko ist aber auch konzentriert. Im Gegensatz zur Put-Option, die das Recht auf einen Verkauf gewährt, oder zum Warrant, der ähnlich funktioniert aber von Emittenten ausgegeben wird, sind standardisierte Optionen an Börsen gehandelt und daher transparent bepreist.
Anleger sollten beachten, dass Optionen zeitwertgebunden sind: Nähert sich das Verfallsdatum, sinkt der Wert der Option, selbst wenn sich der Kurs des Basiswerts nicht bewegt. Optionshandel erfordert Verständnis für die Risiken und ist nicht für jeden Privatanleger geeignet.

