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Börsenlexikon

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist die Gesamtwertschöpfung aller Güter und Dienstleistungen, die in einer Volkswirtschaft innerhalb eines Jahres hergestellt werden, unabhängig davon, ob die Produzenten Inländer oder Ausländer sind.

Das BIP wird typischerweise in drei Varianten berechnet: über die Verwendungsseite (Konsum + Investitionen + Staatsausgaben + Nettoexporte), die Einkommensseite (Löhne, Gewinne, Zinsen) oder die Produktionsseite (Wertschöpfung nach Branchen). Die bekannteste Größe ist das nominale BIP in laufenden Preisen; daneben gibt es das reale BIP, das um Inflationseffekte bereinigt ist und die tatsächliche Wirtschaftskraft abbildet.

Für Privatanleger ist das BIP-Wachstum ein zentraler Indikator für die konjunkturelle Entwicklung. Steigt das reale BIP um beispielsweise 2 bis 3 Prozent jährlich, deutet dies auf eine stabile Expansion hin; Raten unter 1 Prozent oder negative Werte signalisieren Stagnation oder Rezession. Diese Konjunkturdynamik beeinflusst direkt die Gewinnerwartungen von Unternehmen und damit Aktienbewertungen. Ein robustes BIP-Wachstum unterstützt typischerweise steigende Unternehmensgewinne, während Wachstumsverlangsamung Kursdruck erzeugt.

Auch für Rentenpapiere ist das BIP relevant: Zentralbanken orientieren ihre Geldpolitik an Wachstum und Inflation. In einer Phase hohen BIP-Wachstums erhöhen sie oft die Leitzinsen, was Neuanleihen unattraktiver macht und bestehende Rentenkurse unter Druck setzt. Umgekehrt sinken die Zinsen bei schwachem Wachstum, was Anleihen begünstigt.

Das BIP wird üblicherweise als Jahresrate veröffentlicht (oft vierteljährlich mit vorläufigen und revidierten Daten) und im Vergleich zum Vorjahresquartal oder kumulativ zum Vorjahr ausgewiesen. Ein Land mit einem BIP von beispielsweise 2 Billionen Euro und einem Wachstum von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr hat eine absolute Steigerung von 50 Milliarden Euro erzielt.

Anleger nutzen BIP-Prognosen und -Revisionen als Frühwarnsystem: Senken Statistikämter oder Prognoseinstanzen ihre Wachstumserwartungen, reagieren Börsen oft schon vor der Veröffentlichung. Das BIP bildet auch die Grundlage für verwandte Kennzahlen wie das BIP pro Kopf (Wohlstandsindikator), das Bruttosozialprodukt (BSP), das Einkommen statt Produktion misst, und Schuldenuoten wie die Staatsquote (Staatsschulden bezogen auf das BIP).