Wochenausblick KW 20 / 2010
Anleger brauchen aktuell starke Nerven, um das Wechselbad der Gefühle an den Weltfinanzmärkten durchzustehen. Vorletzte Woche gab’s gegen Ende der Woche massive Abstürze. Letztes Wochenende konnten sich dann die EU-Finanzminister auf einen Rettungschirm für strauchelnde Länder des Euro-Raums einigen, unglaubliche 750 Milliarden Euro sollen dafür bereitgestellt werden. Finanziert werden soll das ganz u.a. durch den Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB, womit die EZB zum Staatsfinanzierer wird. Damit entsagt die EZB allen ihren bisherigen Parolen an eine solide Finanzpolitik und wirft die Notenpresse an, Amerika lässt grüßen.
Kurzfristig schien das den Anlegern neuen Mut zu geben und zu Wochenbeginn sprangen die Kurse regelrecht nach oben. Der Dax erholte sich am Montag um 5,4 Prozent und stieg über die gesamte letzte Woche um ca. 7 Prozent. Noch stärker stiegen die südeuropäischen Börsen, Spanien, Portugal & Co waren in der letzten Woche eine lohnende Investition. Doch wie kurzfristig die Hoffnung war, zeigte bereits der Freitag, als die Kurse bereits wieder auf breiter Front nachgaben. Denn plötzlich stellten die Anleger fest, dass das Problem der Schuldenkrise noch lange nicht gelöst ist und mit der Liquiditätsflutung und den historischen Rettungspaketen nun mit der Inflationsangst ein weiteres Schreckgespenst der Börsen das Parkett betritt.
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Und so verlor der Dax am Freitag 3,1 Prozent oder 195 Punkte auf einen Schlussstand von 6.056 Zählern, notierte zumindest noch über der 6.000er Marke. Der Dow Jones verlor am Freitag ebenfalls stark und schloss bei 10.620 Zählern (-1,5%).
Und auch der Euro konnte nur kurzfristig vom Rettungsschirm profitieren, letzten Montag stieg er wieder über die 1,30 US-Dollar, um danach bis Ende der Woche bis auf Kurse unter 1,24 US-Dollar zu fallen. Wohlgemerkt, mit diesen Kursen ist der Euro keineswegs billig, rein rechnerisch wären Kurse um die 1,15 US-Dollar gerechtfertigt. Sorgen machen sollte aktuell auch nicht die Euroschwäche, sondern vielmehr die Dollarstärke. Denn die restlos verschuldeten und sich in der Wirtschaftsflaute festhängenden Amerikaner brauchen dringend einen schwachen Dollar, um den Export und damit die Konjunktur wieder nachhaltig anzukurbeln und sich damit auch ein wenig in Richtung Haushaltskonsolidierung zu bewegen.
Die kommende Woche steht weiter ganz klar im Zeichen der Unsicherheit und hochvolatilen Märkten. Die Anleger werden weiter großes Augenmerk auf alle Berichte/Kommentare und auch Spekulationen rund um das Thema Pleitestaaten sowie der Finanzierung des geplanten Rettungsschirms legen. Erst in zweiter Reihe interessieren deshalb aktuell die Investoren die aktuellen Konkunktur- und Unternehmensdaten, die wohlgemerkt in den letzten Wochen überwiegend positiv ausfielen, nur leider ging dies bisher völlig unter.
So stehen nächste Woche unter anderem wichtige Stimmungsindikatoren auf dem Plan, die zeigen werden, inwieweit sich die Anleger und Analysten von der Schuldenkrise haben die Stimmung verderben lassen. Am Montag gibt es 14.30 Uhr den NY Empire State Index aus den USA. Am Dienstag (11.00 Uhr) wird der ZEW-Index eine Indikation über die Konjunkturerwartung hierzulande zulassen. Und am Donnerstag gibt dann noch der Philadelphia Fed – Index (16.00 Uhr) einen Ausblick auf die Erwartungen für den Mai 2010.
Mit meinen Prognosen im Wochenausblick KW 19 / 2010 lag ich gar nicht mal so schlecht. Dem Dax hab ich eine leichte Seitwärts-/Aufwärtsbewegung vorausgesagt, er ist auch leicht gestiegen. Bei Euro/US-Dollar bin ich von steigenden Kursen nach der Bekanntgabe des Rettungsschirms in Richtung 1,29 US-Dollar ausgegangen, dies wurde mit Kursen von über 1,30 US-Dollar sogar noch übertroffen. Danach ging es zwar extrem heftig abwärts, aber wer mit entsprechenden Stopps arbeitet, für den war das kein Problem. Und mit meiner Prognose auf einen leicht fallenden Bund-Future in Richtung 126,50 hab ich fast eine Punktlandung hingelegt (Freitagschluss: 126,67, im Wochentief bei ca. 125).
Hier nun meine persönlichen Prognosen für die nächste Woche:
DAX
In der nächsten Woche erwarte ich keine weiteren massiven Verluste, aber auch für steigende Kurse spricht momentan nicht sehr viel. Ich rechne daher mit leicht nachgebenden Kursen Richtung 6.000 Punkte.
Deshalb: DAX leicht abwärts 5.900 – 6.000 Punkte
Euro/US-Dollar
Der Euro wird weiter unter Druck bleiben und mit der 1,20 US-Dollarmarke logt auch eine charttechnisch sowie psychologisch wichtige Marke immer näher. Hier liegen sicher viele Stopps, eventuell werden die kurzfristig abgefischt.
Deshalb: Euro/US-Dollar seitwärts, Rangehandel zwischen 1,20 – 1,25 US-Dollar
Bund-Future
Den Bund-Future sehe ich in der kommenden Woche leicht schwächer, da er sich aufgrund der massiven Anstiege der letzten Wochen immer noch im überkauften Teritorium befindet.
Deshalb: Bund-Future nächste Woche leicht nachgebend, 125,50 – 126,00
Aber immer schön dran denken, dass sind meine persönlichen Einschätzungen und nichts anderes. Deshalb kann’s auch ganz genau anders herum kommen. Und deshalb immer selbst ein Bild machen, bevor eine Investition getätigt wird!
Deshalb gilt auch mein Disclaimer!
Quelle: kapitalmarktexperten.de


