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Hausse beim Klima, Flaute bei Biotech

Seit 2018 hat sich die Diskussion über den weltweiten Klimawandel intensiviert

 

Dazu beigetragen haben sowohl die


Seit 2018 hat sich die Diskussion über den weltweiten Klimawandel intensiviert.

 

Dazu beigetragen haben sowohl die Aktionen der Bewegung Fridays for Future, als auch die Ankündigungen von Investoren wie Norwegens Staatsfonds, klimaschädliche Unternehmen zukünftig zu meiden.

 


Das Resultat ist eine Hausse in der Branche erneuerbare Energien seit Anfang 2019. Dies illustriert der Index RENIXX sehr gut, der vom Internationalen Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) bereits 2005/6 konzipiert wurde. Informationen zu den enthaltenen, internationalen Unternehmen findet man hier.

Vergleich RENIXX vs. NASDAQ Biotech- Index seit 01.01.2015, Quelle: wallstreet:online
Vergleich RENIXX vs. NASDAQ Biotech- Index seit 01.01.2015, Quelle: wallstreet:online

Auf der Strecke bleiben Branchen, die früher zu den Lieblingen der Anlegerschaft gehörten, beispielsweise Biotechnologie oder Pharma. Das obige Chart illustriert das anhand eines Vergleichs zum NASDAQ Biotech-Index.

 

Da die medizinische Forschung dem Menschen unmittelbar zugute kommt und wir um drängende Probleme wissen, wie zum Beispiel gehäufte Antibiotika-Resistenzen oder die Zunahme der Autoimmun-Erkrankungen, ist eine Flaute für die Biotech-Branche eine bedenkliche Entwicklung.

 

 

Wenn Sie vermuten, Trend Following betrifft nur Privatinvestoren, liegen Sie übrigens falsch. Das Gegenteil ist richtig. Schließlich ist es die institutionelle Geldanlage, die große Geldströme bewegen kann und Trends etabliert, verstärkt und beendet. Und natürlich kann sich gerade dort niemand leisten, einen Trend zu verpassen und beim üblichen, regelmäßigen Benchmarking schlecht auszusehen. Wenn sich also institutionelle Investoren dem "sicheren" Geschäft mit dem Klimawandel zuwenden, und andere Branchen vernachlässigen, fehlen ihre Investitionen an anderer Stelle für eine gewisse Zeit.

 

Dazu passend: 2018 verkündete die Europäische Investitionsbank (EIB), dass es zunehmend schwieriger würde, Gelder für medizinische Forschung aufzutreiben. Trotz Nullprozent-Politik blieben die Taschen der Geldgeber zugenäht und man sah sich gezwungen, ein eigenes Programm aufzulegen.

 

Die negative Publicity für Biotech, besonders unter Trump, reißt derweil in den USA nicht ab. Wie lange werden Private Equity und große Investmentfonds diesen Gegenwind ignorieren und standhalten? Bleibt die Förderung für die Erforschung von Medikamenten für seltene Krankheiten, sogenannten Orphan Drugs, in USA erhalten oder wird sie zukünftig torpediert? Viele Investoren warten lieber ab oder lenken ihre Gelder in andere Branchen.


Oder liegt da vielleicht auch die Chance?

 

Für antizyklische Investoren könnte möglicherweise jetzt die Zeit für Biotech-Investments in Europa günstig sein. Einerseits werden Fortschritte dringend benötigt. Andererseits ist bis zum Ausbruch der nächsten Epidemie, der Heilung einer unheilbaren Erkrankung die Aufmerksamkeit des Publikums bei gänzlich anderen Themen.

 

Je nach Risikoappetit bieten sich Indexfonds an (beispielsweise auf den NASDAQ Biotech-Index), eine Beteiligungsgesellschaft (möglicherweise eine gute Wahl: BB Biotech) oder eben die direkte Investition in Einzelwerte. Auch bei letzterer Wahl sind die Streuung auf mehrere Aktien und eine sinnvolle Beschränkung des investierten Volumens Pflicht!

 

Die europäische Unternehmenslandschaft ist vielfältiger und innovativer, als es die mediale Dominanz von US-Werten auf den Finanzseiten vermuten läßt. Während über den IPO von Teamviewer überall berichtet wird, ist der IPO einer Biotech-Firma aus Jena oder München kaum eine Schlagzeile wert. Gezielte Eigenrecherche ist hier der einzige Ausweg.

 

Branchenvertreter wie Morphosys und Evotec sind leidlich bekannt. Interessante Europäer wie Allergy Therapeutics, Polyphor oder Circassia finden dagegen in hiesigen Medien nicht statt. Wer sich mit riskanten, noch kleineren Unternehmen beschäftigen will, findet eine reiche Auswahl. Sehr gute Dienste leisten dabei die Seite labiotech.eu und der für nur 20 Euro erhältliche European Biotechnology Science & Industry Guide 2019* (Amazon-Affiliate-Link).

 

Dem höheren Risiko steht als Vorteil gegenüber, dass diese Aktien oft zu klein sind, als dass institutionelle Anleger oder Indexfonds in sie investieren dürften. Daher gibt es eine Phase, wo die Anlegerschaft nach dem IPO wechselt. Die Seed-Investoren verlassen das Schiff und große institutionelle Anleger sind noch nicht (wieder) an Bord. Schafft das Unternehmen den Launch eines Produkts oder einer Technologie, folgt in der Regel der Turnaround und Kooperationen mit größeren Playern der Branche.

 

Scheuen Sie das Risiko eines Fehlschlags nicht, so sollten Sie auch nicht zögern, die Investor Relations Abteilungen dieser kleinen Unternehmen zu kontaktieren und nachzufragen. Egal ob sie Magforce, Noxxon, Apogenix, InflaRx heißen oder andere phantasievolle Namen tragen, fragen Sie nach, bis Sie den grundsätzlichen Plan des Unternehmens verstehen.

 

Es sollte klar sein, dass Sie als medizinischer Laie nicht im Detail verstehen können, ob die Technologie, der Wirkstoff oder das Medikament eine hohe, mittlere oder niedrige Erfolgs-Chance haben. Das Unternehmen ist ja überhaupt nur an der Börse, weil das Risiko eines Fehlschlages hoch ist und nur viele Schultern gemeinsam es zu tragen bereit sind!

 

Das war in der Historie übrigens nie anders: egal ob es die Ostindische Kompanie oder eine Expeditionen von Kolumbus war. Konzentrieren Sie sich daher auf die Fundamental-Daten und die Qualität des Managements: Wie transparent ist das Unternehmen mit der Verwendung der Mittel? Werden Rückschläge und Erfolge verständlich kommuniziert? Hält das Management ein, was es im Vorjahr versprochen hat? Ist nachvollziehbar, wie lange die Finanzierung gesichert ist und für welche Meilensteine oder Ergebnisse das Unternehmen Geld von Partnern zu erwarten hat?

 

Wenn die Story zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es meistens auch so. Wenn das Unternehmen Ihren Qualitätscheck überstanden hat und Ihnen als potentiellen Investor auch mit einer guten Investor Relations Abteilung zur Seite steht, müssen Sie final einschätzen, ob das Unternehmen an der Börse momentan billig oder teuer ist.

 

Dazu ist ein klein wenig Mathematik nötig. Aber keine Angst, eine sinnvolle Methode hat Stephan Graupner in diesem Artikel auf fool.de dargelegt und wenn Sie in der Recherche bis hierhin gekommen sind, dann machen Sie auch den letzten Schritt noch.

 


Fazit

 

2019 sind Biotech-Werte außer Mode, Aktien der Branche erneuerbare Energien haussieren. Daher könnte jetzt die Zeit für Biotech-Investments günstig sein. 

 

Viel Erfolg und spannende Recherchen!

 

(c) 2019 Covacoro

 


Literatur zu Biotech (Auswahl)


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Quelle Covacoro

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- Valueanleger, der auch konträre Positionen zum Markttrend nicht scheut

- Sentiment, Psychologie, Emotionen sind das A, eine Strategie das O an der Börse.

- Favoriten im Web: Wikifolio, Finanz-Blogs, die eigene Seite: https://www.covacoro.de


Kommentare

Sehr schöner Artikel der aktuelle Möglichkeiten zeigt.

Oft ist es so dass mit schwindender Aufmerksamkeit in einem Sektor die Chancen nach einem Hype gute Gewinne zu erzielen, steigen.

Es gibt im Biotech Sektor wenige große Unternehmen die nicht nur in ein Projekt investieren. 
U.a. BB Biotech, Amgen und Gilead Science (die mit Ihrem Hepatitis C Heilmittel noch gut verdienen. 

Bei den kleinen Unternehmen ist man immer von den Aussagen und Bewertungen des Unternehmens selbst abhängig. weil man nur das erfährt. Dann ist die Frage ob man an einem allgemein wichtigen Wirkstoff arbeitet der in viele Sektoren wichtig ist oder vielleicht sogar eine Volkskrankheit (wie Bandscheibenvorfälle) bekämpft. Erfolge werden durch ein gutes Geschäftsmodell (Anwendung in vielen Bereichen) auch größer.  

Die Einleitung zum Thema: „Da die medizinische Forschung dem Menschen unmittelbar zugute kommt und wir um drängende Probleme wissen, wie zum Beispiel gehäufte Antibiotika-Resistenzen …“ klingt wie der Satz aus einem Lehrbuch des Schönredens, (oder eines Politikers). 
Antibiotika gehören zu den wichtigsten Arzneimitteln. Doch die Zahl resistenter Keime nimmt zu. Trotzdem werden kaum neue Wirkstoffe entwickelt - weil es nicht profitabel ist.
Obwohl die zunehmende Ausbreitung resistenter Keime als eine der größten globalen Gefahren gesehen wird, stoppen Pharmaunternehmen die Forschung an neuen Antibiotika. 
Auch der größte Gesundheitskonzern der Welt, die Firma Johnson & Johnson bestätigte, dass sich derzeit bei ihnen "keine weiteren Antibiotika in der Entwicklung" befänden. Zuletzt hatten sich die Branchenriesen Novartis und Sanofi 2018 sowie AstraZeneca Ende 2016 aus der Antibiotikaforschung verabschiedet. Bayer, Bristol-Myers Squibb oder Eli Lilly zogen sich bereits vor mehr als zehn Jahren aus diesem Bereich zurück.
Erst 2016 haben sich etwa 100 Unternehmen zusammengeschlossen und eine "Industrie-Allianz" ("AMR Industry Alliance") zum Kampf gegen die Resistenzen gegründet, darunter Johnson & Johnson, Novartis, Sanofi und AstraZeneca. Sie hatten eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Darin sagten sie unter anderem zu, in die Forschung in diesem Bereich zu investieren.  
Fast die Hälfte der Firmen, die unterzeichnet und damals zu Antibiotika geforscht haben, sind mittlerweile nicht mehr in dem Bereich aktiv ist. Die Großkonzerne Pfizer und Allergan entwickeln nach Einschätzung von Branchen-Insidern ebenfalls keine neuen Antibiotika-Wirkstoffe, obwohl auch sie Mitglieder der "AMR Industry Alliance" sind. Neben den großen Konzernen unterzeichneten auch viele kleine und mittelständische Unternehmen 2016 die Erklärung. Etwa 50 von ihnen forschten damals an neuen Antibiotika-Wirkstoffen. Doch mehr als 20 dieser Firmen haben die Forschung in diesem Bereich aufgegeben oder sind mittlerweile insolvent. Viele der kleineren Unternehmen kämpfen damit, dass sich Investoren zurückziehen.
Die Entwicklung eines neuen Antibiotikums kostet mehrere Hundert Millionen Euro. Bei einer erfolgreichen Zulassung des Mittels kommen die Ausgaben für Herstellung, Vertrieb und Vermarktung hinzu. Kleine Unternehmen, die keine zusätzlichen Einnahmen etwa durch lukrative Arzneimittel aus anderen Bereichen haben, können diese Kosten in der Regel allein nicht stemmen. Auch deshalb ist es aus Sicht vieler internationaler Experten fatal, wenn sich die großen Konzerne zurückziehen.
Letztes Beispiel: Die kleine US-Firma Achaogen, in die ich auch investiert habe, war ein großer Hoffnungsträger: Sie hatte ein Antibiotikum gegen resistente Keime entwickelt. Doch überlebt hat sie das nicht.
Anfang 2018 schien noch alles auf einem guten Weg. Die klinischen Studien waren abgeschlossen. Das Unternehmen hatte inzwischen mehr als 200 Mitarbeiter und Hunderte Millionen Euro in die Entwicklung des Medikaments investiert. Und im Juni bekam ihr Mittel die Zulassung. Eigentlich ein Riesenerfolg.
Aber man wusste, dass es jetzt noch einmal richtig teuer werden würde: Die Herstellung des Medikaments, die Qualitätskontrollen, der Vertrieb, die Vermarktung.
Immer mehr Geldgeber zogen sich aus der Antibiotika-Entwicklung zurück und investierten lieber in andere Medikamente, die höhere Gewinne versprachen. Die Kurse von allen börsennotierten Firmen, die sich auf Antibiotika spezialisiert hatten, fielen seit Anfang 2018 - teils sogar dramatisch. 
Achaogen hatte vergeblich darauf gehofft, dass ein finanzstarker Partner einsteigt. Schon am Tag der Zulassung sprangen die ersten Investoren bei Achaogen ab und verkauften ihre Aktien. 
Anfang Juni 2019, knapp zwölf Monate nach der Marktzulassung, war endgültig Schluss. In einer Auktion versteigerte Achaogen alles, was noch irgendeinen Wert hatte. Das restliche Laborequipment ging für rund 200.000 Euro weg. Die weltweiten Vermarktungsrechte am Antibiotikum kauften eine indische und eine chinesische Firma - für insgesamt weniger als 15 Millionen Euro. Was sie jetzt damit machen, ist ungewiss. 
 
Antibiotika: Ein Geschäft ohne Geschäftsmodell?
 
Alt-Gesundheitsminister Hermann Gröhe hat das Dilemma schon vor Jahren so zusammengefasst: „Wir sagen: Erfindet etwas Neues. Und dann sagen wir: Aber verkauft es möglichst selten.“ Als „Business Model“ müsse sich das erst mal durchsetzen. Prof. Dr. Jochen Maas, Geschäftsführer Forschung und Entwicklung bei Sanofi-Aventis,  erklärte  auf dem Hauptstadtkongress 2018 im Hinblick auf Reserveantibiotika: „Wenn Sie mir ein Geschäftsmodell nennen, wo Sie mit möglichst wenig Verkauf Profit machen, dann haben Sie die 100-Millionen-Dollar-Frage beantwortet.“ Er erinnerte daran, dass über 99 Prozent neuer Forschungsansätze im Bereich der Antibiotika es nicht auf den Markt schafften.
Der Grund für den Rückzug der großen Pharmakonzerne aus diesem Bereich sind offenbar wirtschaftliche Erwägungen. Mit Antibiotika lässt sich deutlich weniger Geld verdienen als beispielsweise mit Krebsmedikamenten oder Mitteln gegen chronische Erkrankungen. Denn Antibiotika werden in der Regel nur wenige Tage lang eingesetzt. Zudem sollten neue Mittel nur im Notfall verwendet werden, wenn alle herkömmlichen Antibiotika nicht mehr anschlagen. Sie sollen also als Reserve zurückgehalten werden, damit sie ihre Wirkung nicht so schnell verlieren.
Der Ausstieg der großen Konzerne ist nicht verantwortungsvoll, da die Pharmaindustrie eine Verantwortung für die Gesellschaft hat, sollte man meinen,
die auch eingefordert werden sollte. Letztlich beruhen große Teile ihrer Profite darauf, dass es Antibiotika gibt. Beispielsweise könnten viele teure Krebsmedikamente nur eingesetzt werden, wenn auch wirksame Antibiotika zur Verfügung stehen, da bei den Patienten ein sehr hohes Infektionsrisiko bestehe.
An den Folgen von Infektionen mit resistenten Keimen sterben derzeit in der EU jedes Jahr etwa 33.000 Menschen, weltweit sind es Hunderttausende. Die Vereinten Nationen warnen, dass die Todeszahlen in die Höhe schnellen, falls nicht sofort gehandelt werde. Demnach könnten durch resistente Keime bis 2050 jedes Jahr zehn Millionen Menschen sterben, das wären mehr als heute an Krebs.
 
Abschließend für den, den es angeht: 
„Gegen bakterielle Infektionen sind derzeit eine Reihe neuer Antibiotika und Schutzimpfungen in Entwicklung. Die folgenden Tabellen geben einen Überblick.“
I, Neue Antibiotika und Impfstoffe gegen Bakterien in Entwicklung
II, Gezielt gegen bestimmte Bakterien vorgesehene Antibiotika und andere Antiinfektiva in Entwicklung (ab Phase II), im Zulassungsverfahren oder vor der Markteinführung (Stand: 08/2019)
III. Impfstoffe gegen bakterielle Infektionen (Stand: 04/2019)
 
 
 
 
 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

@tamam Das sind sehr interessante Informationen. Wenngleich ich nicht so viel von diesen Sachen verstehe, so ist mir doch spontan eingefallen, dass die Sepsis (Blutvergiftung) eine der häufigsten Todesursachen ist. Da kann einem die geschilderte Sachlage doch ziemlich Angst machen.
https://sepsis-hilfe.org/de/sepsis/haeufigkeit.html 

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