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GELDSCHLEUSEN VOLL GEÖFFNET


So, das Jahr ist gelaufen, die letzten wichtigen Entscheidungen 
sind in dieser Woche gefallen. Jetzt kommt Weihnachten, viele 
Feiertage und Silvester und im neuen Jahr dauert es nicht mehr 
lange bis Obama das Ruder übernimmt. 


US-LEITZINS AUF 0 - 0,25%

Am Dienstag hat die US-Notenbank den US-Leitzins auf die 
Bandbreite von 0 - 0,25% gesenkt. Banken können sich nun über 
Nacht fast kostenfrei so viel Geld leihen wie sie wollen. 
Bernanke hat zusätzlich noch angekündigt, dieses niedrige 
Zinsniveau für eine sehr lange Zeit zu halten. Darüber hinaus 
kauft er alles an Krediten und Kreditderivaten auf, was es an 
den Märkten so gibt. Ich würde sagen, Bernanke hat erkannt, 
dass Inflation keine Gefahr mehr ist. Leider hat er es etwas 
spät erkannt. 

In Japan wurde heute ebenfalls der Leitzins gesenkt: Von 0,3% 
auf 0,1%. Auch in Japan ist also kein weiterer Spielraum für 
Zinssenkungen mehr vorhanden. 

Niedrige Zinsen führen irgendwann in der Zukunft einmal zu 
Inflation, wenn die Notenbank die Liquidität nicht rechtzeitig 
wieder aus dem Markt holt. Die Inflationserwartung für Yen und 
US-Dollar zeigte sich in dieser Woche durch eine Rallye des 
Euros gegenüber diesen beiden Währungen. Schauen Sie selbst: 


INDIZES               18/12/08

Dow Jones               8,605       0.5%
DAX                     4,756      -0.2%
Nikkei                  8,667      -0.6%
Euro/US-Dollar          1.391       4.6%
Euro/Yen               124.29       4.3%
10-Jahre-US-Anleihe     2.07%      -0.6
Umlaufrendite Dt        2.93%      -0.2
Feinunze Gold USD     $837.52       3.5%
Fass Crude Öl USD      $42.36     -16.7%


OPEC DROSSELT TGL. FÖRDERMENGE UM 2,2 MIO FÄSSER / TAG

Bei 29 Mio. Fässern pro Tag, die von der OPEC aus dem Boden 
geholt werden, ist die Reduzierung um 2,2 Mio. Fässer schon 
ganz schön heftig. Es soll den Ölpreis stabilisieren und damit 
nicht zuletzt auch wieder die Einnahmen der Ölscheichs, die 
Milliardenprojekte in Dubai laufen haben, aufbessern. 

Doch der Ölpreis ist nach dieser Meldung weiter gefallen und 
erreichte zwischenzeitlich sogar ein 4-Jahrestief bei 34 
USD/Fass. Trotz der Drosselung der Fördermenge ist der Ölpreis 
weiter eingebrochen. 

Liegt es etwa am festen US-Dollar? Nein, denn der US-Dollar war 
schwach. Und ein schwacher US-Dollar führt eigentlich, so war 
es zumindest in den vergangenen Jahren, zu einem steigenden 
Ölpreis. Doch derzeit stimmt diese Relation nicht. 

Ich habe immer gesagt, dass sämtliche Projekte für alternative 
Energien, sei es Solar, Kohleverflüssigung, Brennstoffzelle, 
oder was weiß ich noch, alle Projekte werden mit einem Ölpreis 
von 40 USD/Fass kalkuliert. Sollte der Ölpreis darunter fallen, 
dann besteht kein (wirtschaftlicher) Bedarf an Alternativen. 
Auch politisch ist eine Menge Idealismus notwendig, um 
Solarprojekte weiter zu fördern. In Deutschland haben wir 
glücklicherweise diesen Idealismus. In anderen Ländern werden 
wohl einige Solarprojekte eingestanzt. 

Auch die Tiefseebohrungen nach Öl, ich hatte Transocean lange 
Zeit in meiner Empfehlungsliste, wird mit einem Ölpreis unter 
40 USD/Fass unrentabel. Transocean kann sich darauf einstellen, 
dass einige Aufträge storniert werden. Die Unternehmen werden 
bei einem Ölpreis unter 40 USD/Fass lieber die Vertragsstrafe 
für die Stornierung zahlen, als eine Ölbohrinsel für 600.000 
USD Tagesmiete zu betreiben, während das Öl reichlich und 
billig aus den arabischen Elefantenfeldern sprudelt. 

Ist es nun das reichliche Angebot, das den Ölpreis fallen 
lässt, oder ist es die fehlende Nachfrage? Nun, die Amerikaner 
haben ihre Ölreserven aufgefüllt. Ich nehme an, dass auch 
Deutschland und viele andere Länder die niedrigen Preise schon 
längst zum "voll tanken" der nationalen Reservekanister genutzt 
haben. Also ist tatsächlich die Nachfrage gering. 

Außerdem haben wir inzwischen Gewissheit darüber, dass wir in 
einer Rezession leben, die USA sogar schon seit einem Jahr. Und 
die Angst geht umher, dass nach der Rezession nun eine 
Depression ansteht, fallende Preise also, Deflation und ein 
Rückgang des Bruttoinlandsproduktes. Das wird ja nun auch von 
offizieller Seite erwartet, alle deutschen Wirtschaftsinstitute 
sagen eben dieses für das Jahr 2009 vorher. 

All das drückt auf den Ölpreis. Dabei ist aber jedem Beobachter 
klar, dass die Welt sich weiterdrehen wird, dass der 
Ölverbrauch schon allein aufgrund des weltweiten 
Bevölkerungswachstums und ansteigenden Wohlstands immer weiter 
ansteigen wird. Ein Ölpreis unter der Marke von 40 USD/Fass ist 
da schon ein Signal, dass dann auf eine Weltwirtschaftskrise 
hindeuten könnte...

...aber das wäre meiner Ansicht nach vorschnell gefolgert, denn 
so wenig, wie der Ölpreis bei 147 USD/Fass das physische 
Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage widerspiegelte, so 
wenig tut er es nun unter 40 USD/Fass auch. Meiner Ansicht nach 
gibt es noch immer viele institutionelle Anleger, die mit 
großen Summen auf einen steigenden Ölpreis gesetzt haben. Und 
diese Positionen müssen noch immer aufgelöst werden. Und diese 
Liquidationsverkäufe gehen weiter, auch wenn der Ölpreis schon 
lächerlich günstig ist. 


RETTUNG DER BIG 3 AUS DETROIT

Okay, Bush hat es nun doch gemacht. Heute hat er 17 Mrd. USD 
Kredit für General Motors und Chrysler zur Verfügung gestellt. 
Nachdem der Kongress ein eigenes Auto-Hilfspaket abgelehnt hat, 
griff Bush nun auf das 700 Mrd. USD Rettungspaket von Hank 
Paulson zurück das eigentlich für den Finanzsektor gedacht war. 

Während im Kongress noch harte Regeln und Vorschriften für die 
Big 3 diskutiert wurden, die dann jedoch aufgrund der Ablehnung 
nicht zum Zuge kamen, wird das Geld von Paulson nun einfach zur 
Verfügung gestellt. Bedingungen gibt es nicht, allerdings gibt 
es ein paar warme Worte von Bush: "Wenn ihr damit nicht 
anständig umgeht und bis Ende März nicht ein tragfähiges Modell 
für die Autoindustrie Amerikas gefunden habt, dann nehme ich 
Euch das Geld wieder weg". Doch Ende März heißt der Präsident 
Obama und da es keinen Kongressbeschluss für diese Aussage von 
Bush gibt, kann Obama einfach alles ganz anders machen. 

Na, ich bin mal gespannt, ob General Motors den versprochenen 
radikalen Umbau wirklich schafft. Die Aktie würde ich 
jedenfalls nicht einmal mit einer Kneifzange anfassen. 

Bush hat in seiner heutigen Ansprache, in der er diese Schritte 
begründete, deutlich gezeigt, wie sehr ihm diese Lösung gegen 
den Strich geht. Mehrfach hat er gesagt, dass die Lösung des 
Marktes eigentlich unter normalen Umständen die beste wäre, und 
dass eine Insolvenz der Autoindustrie sicherlich den Weg frei 
machen würde für etwas Neues. Doch leider sei die amerikanische 
Wirtschaft derzeit nicht in einer "normalen" Verfassung und 
könne eine solche Insolvenz daher nicht verkraften. Und so 
greift er also in den Markt ein, obwohl er das eigentlich am 
liebsten gar nicht tun würde. 


MADOFF SKANDAL WIRD DER SEC ANGELASTET

Die amerikanische Security Exchange Commission, SEC, die 
vergleichbar ist mit unserer Börsenaufsicht BaFin, hat bei der 
Aufsicht von Madoffs Netzwerk versagt. 1998 wurde schon einmal 
eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet, man fand aber nichts. 
Auch 2002 wurden aufkeimende Fragen nicht weiter verfolgt. Es 
gab einige wenige, die sich trauten, vor dem Madoff-Netzwerk zu 
warnen. Doch gehört wurden sie nicht. Im Grunde genommen wird 
vor jedem in der Finanzbranche irgendwann einmal gewarnt. 

Lediglich der SEC muss man den Vorwurf machen, ihrer 
Aufsichtspflicht nicht nachgekommen zu sein. Und wenn die SEC 
sich nun aus der Affäre ziehen will mit der Ausrede, sie habe 
die Mittel nicht gehabt, so wird auch das nicht mehr 
akzeptiert: Das Madoff Schneeballsystem fällt in ihren Bereich 
und wenn sie die Mittel zur Aufsicht nicht hat, dann muss sie 
diese eben bei der Politik beantragen. Nichts dergleichen ist 
jedoch geschehen. SEC Chef Christopher Cox, ich habe ihn 
immerhin schon im April diesen Jahres als Taugenichts entlarvt, 
wird seinen Hut nehmen müssen. Er hat die Bear Stearns Pleite 
nicht kommen sehen, er hat die Uptick-Rule gestrichen. Er hat 
sich wann immer es ging aus der Verantwortung gezogen und rief 
nach freien Märkten über alles. 

Obama hat sich nun für Mary Shapiro entschieden, sie soll die 
Börsenaufsicht von Aktien (SEC) und Rohstoffen (CFTC) 
zusammenlegen. Zumindest hat sie sich kürzlich für einen 
solchen Weg ausgesprochen und Obama würde sie wohl kaum nehmen, 
wenn er diesen Weg nicht gut finden würde. 


PAULSON WILL NUN DOCH DIE ZWEITE TRANCHE DER 700 MRD. USD

Nachdem US-Finanzminister Hank Paulson Anfang Dezember noch 
groß verkündet hat, die zweite Hälfte des Rettungspakets für 
die Finanzmärkte unangetastet dem neuen Präsidenten übergeben 
zu wollen, hat er sich nun im Rahmen der Autorettung geäußert, 
dass er wohl auch noch mehr aus dem zweiten Teil seines 
Rettungstopfes entnehmen und daher die Freigabe beantragen 
werde. 

Da muss es doch ziemlich schlimm bestellt sein um die US-
Wirtschaft und das Finanzsystem, wenn er in so kurzer Zeit eine 
180 Grad-Drehung vollzieht. 


OBAMA WILL KONJUNKTURPROGRAMM ÜBER 775 MRD. USD

Okay, der Finanzmarkt ist die eine Baustelle und ist sicherlich 
der Ursprung der Krise. 700 Mrd. USD wurden schon von Hank 
Paulson zu dessen Rettung eingeholt. 

Nun möchte Obama das Ausufern auf die Realwirtschaft 
verhindern. Die Arbeitslosenquote ist bereits angesprungen. 
Experten erwarten eine Arbeitslosigkeit von über 10% für das 
Jahr 2010 in den USA. Diese verlorenen Jobs will Obama durch 
kräftige Investitionen in die Infrastruktur auffangen. Dafür 
werde er direkt nach seiner Amtseinführung am 20. Januar ein 
775 Mrd. USD Programm auf den Weg bringen. 


BUSHS BILANZ: KATASTROPHAL!

Jetzt führen Sie sich diese Ereignisse einmal vor Augen: 
Milliarden-Ausgaben in den Finanzsektor, in die Realwirtschaft, 
Zinsen auf 0% verbunden mit dem Versprechen, alles zu kaufen, 
was es gibt sowie der Garantie, Bankenpleiten zu verhindern, 
billiger Ölpreis, neue Chefs für die wichtigsten 
Wirtschaftsämter und die Rettung der Autos. Die USA steht zum 
Ende der Amtszeit Bushs am Rande des Abgrunds, die Bilanz Bushs 
ist eine Katastrophe. 

Welche weiteren Mittel bleiben einem neuen Präsidenten der USA? 
Eigentlich sind alle Mittel ausgeschöpft. Die USA brauchen also 
einen Präsidenten, der Mut und Hoffnung machen kann. Na, und 
den haben sie. Ich bin gespannt, ob es Obama gelingen wird, das 
Steuer herum zu reißen. Ich bin gespannt, ob wir Europäer noch 
rechtzeitig eigene Schritte unternehmen, um ein Übergreifen auf 
unsere Wirtschaft zu verhindern. Derzeit sehe ich da keine 
ausreichenden Mittel. 

Jetzt ist Wochenende, dann die Weihnachtswoche, dann schon bald 
Silvester. Es wird in diesem Jahr nichts mehr passieren. Das 
Jahr wird abgeschrieben als das schlechteste Jahr, das jeder 
Marktteilnehmer jemals an der Börse erlebt hat. Hoffen wir auf 
das Neue Jahr. 
Ich bin als Börsenprofi seit über 20 Jahren erfolgreich als Börsenbrief Autor aktiv. Ich gebe mit meinem Heibel-Ticker einen wöchentlichen Einblick in die aktuelle Finanzwelt. Privatanleger profitieren von meinen verständlichen Analysen, fundierten Kenntnissen und meiner unabhängigen Meinung. Ich analysiere international, biete diversifizierte Empfehlungen und arbeite stets aktuell und druckfrisch.

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