6.800 und kein Ende?
München, 21,30 Uhr: Nachdem heute das Handelsblatt im Ausblick schreibt, dass im DAX die 8.000 Punkte schon im nächsten Jahr wieder möglich sind, halte ich die Zeit für gekommen, um mich zu fragen, ob ich die Situation völlig falsch einschätze. Ein gesundes Maß an Selbstktritik ist ja meist der Anfang der Erkenntnis.
Vor wenig mehr als zwei Jahren standen wir mit der gesamten FinanzWelt am Abgrund und vor der größten Krise seit den 30 Jahren des letzten Jahrtausends. Wirtschaftsleistungen in Amerika, Deutschland und weiteren großen Wirtschaftsnationen brachen auf Jahresbasis um 5 und mehr Prozent ein. Die Arbeitslosenzahlen stiegen weltweit und irgendwie war alles schlecht.
Inzwischen haben sich die Zeiten geändert und Volkswirtschaften wachsen wieder mit anualisierten Raten von mehr als 3 Prozent. In den Schwellenländern wachsen die Wirtschaften z.T. um mehr als 8 Prozent, China, Indien und – man staune – auch Deutschland sind die Lokomotiven des Wirtschaftswachstums. In Deutschland sinkt die Arbeitslosigkeit kontinuierlich weiter, hat den niedrigsten Stand seit der Wende erreicht.
Anders in der bisherigen uneingeschränkten Supermacht USA. Die Arbeitslosigkeit stagniert bei Werten nahe der 10 Prozent. Die Wirtschaft kommt einfach nicht richtig auf die Beine, da der US-Konsument als treibende Kraft fehlt. Und auch der Immoblienmarkt bleibt weiter auf schwachen Beinen. Und die USA verschulden sich weiter auf Teufel komm raus, schaffen es inzwischen sogar, pro Jahr mehr als 1 Billion Dollar auf den schon gigantischen Schuldenberg obendrauf zu packen.
Aber auch der Rest der Welt ist – trotz z.T. anständiger Wachstumsraten – gut dabei, wenn es darum geht, die Schuldenstände auf immer neue Höchststände zu treiben. Die Leitzinsen sind weltweit auf niedrigsten Ständen und überall laufen die Notenpressen auf Hochdampf. Und Notenbanken kaufen fleißig Staatsanleihen, um die eigene Wirtschaft ein wenig in eine bessere Position als die der Nachbarländer zu bringen. Gleiches gilt beim Abwertungswettlauf bzgl. der eigenen Landeswährung.
Bringt mich zum Schluss dieses – inzwischen recht langen – Artikels: Irgendwie sieht es hierzulande ja recht anständig aus, zumindest kurzfristig, aber betrachtet man wirklich mal das Gesamtbild als weltweites Ganzes, dann finde ich momentan nicht den Punkt, der die Märkte auf neue Rekordmarken führt.
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Quelle: kapitalmarktexperten.de


