Menü
Microsoft selbst warnt vor der Verwendung von Internet Explorer, da er nicht mehr den neuesten Web- und Sicherheitsstandards entspricht. Wir können daher nicht garantieren, dass die Seite im Internet Explorer in vollem Umfang funktioniert. Nutze bitte Chrome oder Firefox.

Sell in May and Go Away – Fakt oder Kaffeesatz?

In einigen Monaten heißt es wieder – Positionen verkaufen und Cashbestand aufbauen. Die Rede ist von der wohl bekanntesten Börsenregel überhaupt „Sell in May and Go Away,…“. Sobald die schwachen

In einigen Monaten heißt es wieder – Positionen verkaufen und Cashbestand aufbauen. Die Rede ist von der wohl bekanntesten Börsenregel überhaupt „Sell in May and Go Away,…“. Sobald die schwachen Sommermonate dann hinter dir liegen, wird der zweite Teil der Anomalie umgesetzt „… but Remember to Come Back in September.“ Was ist an dem Börsensprichwort dran? Ist es wissenschaftlich bewiesen, dass sich der Anleger im Herbst neu positionieren sollte? Bevor du jetzt panisch dein Ausstieg aus den Aktienmärkten planst, lass uns dem Ganzen auf den Grund gehen.

Sell in May and Go Away – Theorie – Ursprung liegt in der englischen Oberschicht.

In Wahrheit handelt es sich dabei um eine der simpelsten Börsenstrategien. Wahrscheinlich ist lediglich der Buy-And-Hold-Ansatz einfacher umzusetzen. Das Konzept eignet sich also für Berufstätige und Menschen, die nicht jeden Tag einen Blick ins Depot riskieren möchten. Dabei gibt es zwei Varianten der Strategie. Der Verkaufszeitpunkt ist klar: Anfang Mai! Beim Kaufzeitpunkt wird entweder vom September oder Anfang November gesprochen.


Ursprünglich wurde nach dem, seit 1779 in Doncaster ausgetragenen Pferderennen St. Leger Stakes in die Märkte eingestiegen. Das Rennen findet immer Mitte September statt und ist gleichzeitig das letzte Rennen der sogenannten „Triple Crown of Thoroughbred Racing“. Darin liegt der Börsenaphorismus begründet. Die englische Oberschicht hat sich ab Mai von den Finanzmärkten zurückgezogen und kam erst nach dem legendären Pferderennen zurück, um ihr Glück an den Märkten zu versuchen. Wir alle wissen, bleibt die Smart Money den Börsen fern, geht Liquidität verloren.


Die Strategie (Long) im Überblick:

  • Produkt: ETF
  • Basiswerte: DAX, S&P 500 oder Dow Jones
  • Einstieg (Variante 1): Anfang September
  • Einstieg (Variante 2): Anfang November
  • Ausstieg (Variante 1): Ende April/Anfang Mai

Die Strategie (Short) im Überblick:

  • Produkt: Short ETF
  • Basiswerte: DAX, S&P500
    oder Dow Jones
  • Einstieg: Anfang Mai
  • Ausstieg (Variante 1): September
  • Ausstieg (Variante 2): November

Sell in May and Go Away – DAX – Was sagt mein Bauchgefühl?

Bevor wir uns der Handelsstrategie aus der wissenschaftlichen Perspektive annähern, blicken wir einmal auf den DAX-Chart und lassen unser Bauchgefühl entscheiden.


Bild: In den letzten Jahren gab es drei herausstechende Kursrutsche. Den meisten wird die Finanzkrise noch im Gedächtnis sein. Unvergessen war der 15. September 2008, als die US-Investmentbank Lehman Brothers einen Insolvenzantrag stellte. Zuvor wurden die US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac unter staatlicher Zwangsverwaltung gestellt. Oder blicken wir auf den fünften August 2011, als der Dow Jones mit einem Minus von 500 Punkten schloss. Die Welt hatte Angst um die US-Konjunktur. Einen Tag später wurde den USA durch die Ratingagentur Standard & Poor's das Spitzenrating entzogen. Die wachsenden Schuldenprobleme der Eurozone haben ihren Teil zur Talfahrt beigetragen. Die letzte große Korrektur setze Mitte 2015 ein. In einer globalisierten Welt hatten die Börsianer Sorge um ein Abschwächen der chinesischen Wirtschaft. Der Einfluss auf die Konjunktur eines jeden Landes ist unbestritten. Bildquelle: Trademy.de und finance.yahoo.com


Im Chart sind neben den großen Kursverlusten auch die Sommer- und Wintermonate eingezeichnet. Der Sommer wird von Anfang Mai bis Ende August und der Winter von Anfang September bis Ende April definiert. Zudem sind kleinere Bewegungen und Korrekturen eingezeichnet worden, die für die Strategie sprechen. Für mich trifft die Aussage auf den ersten Blick zu. Im Chart erkennst du eindeutig, dass es ab 2010 immer wieder zu Korrekturen im Sommer kam. Besonders in sehr aggressiven Bullenmärkten (kaum Konsolidierungen) scheint die Weisheit zu stimmen.



https://youtu.be/efch8DYmGf8

Video: Ausschnitt aus dem Mitgliederbereich der Trading Ausbildung TRADEMY.

Sell in May and Go Away – DAX – Was behaupten Studien?

Unteranderem hat sich die Landesbank Baden-Württemberg mit der Weisheit beschäftigt und einen Test über 42 Jahre im DAX durchgeführt. Dabei erreichte der Monat Mai einen mittleren Verlust von 0,5 Prozent. Der Kursrückgang im September lag bei 2,1 Prozent. Damit gehören der Mai und der September zu den schlechtesten Börsenmonaten im Jahr.


Bloomberg untersuchte ebenfalls den Monat Mai im DAX. Allerdings nicht über den Zeitraum von 42 Jahren sondern über 10 Jahre. Im Durchschnitt steht ein Plus von 0,28%. Es gab fünf Verlust- und fünf Gewinn-Jahre. Das Bild ist ausgeglichen und ein wirklicher Rückschluss auf eine Mai-Saisonalität kann nicht getroffen werden.

DAX

2006

-5,28

2007

6,40

2008

2,13

2009

3,59

2010

-2,79

2011

-2,94

2012

-7,35

2013

5,50

2014

3,54

2015

-0,35

2016

2,23

Durchschnitt

0,28

Tabelle: Die Entwicklung des Deutschen Aktienindex in % und im Monat Mai. Im Mai 2008 stieg der DAX um 2,13 Prozent. Datenquelle: Bloomberg


Eine andere Untersuchung teilte das Jahr in einen Sieben-Monats-Zeitraum (Oktober bis April) und Fünf-Monats-Zeitraum (Mai bis September) ein. Die Studie wurde mit Hilfe von Daten ab September 1959 durchgeführt. Hier spricht das Ergebnis für die Strategie. In den Sommermonaten verlor der Index im Durchschnitt 0,35 Prozent. In den Wintermonaten hingegen erzielte der Ansatz eine Index-Performance von 8,78 Prozent. Das ist beachtlich, denn so wären aus 10.000 Euro zwischen dem ersten Oktober und einschließlich 30. April 793.077 Euro geworden. Die anfallenden Gewinne wurden reinvestiert. Zum Vergleich, wer Ende September 1959 über den Buy-And-Hold-Ansatz im DAX investiert gewesen wäre, hätte 329.244 Euro erwirtschaftet. Keine schlechte Performance, allerdings hätte die hier vorgestellte Strategie in dem Fall den Buy-And-Hold-Ansatz outperformt.

Sell in May and Go Away – DAX – Strategie in der Praxis?

In der dritten Ausgabe 2016 vom Börsencoach geht es um Saisonalitäten. Im Mai wird die hier vorgestellte Strategie mit einem SHORT-ETF auf den DAX getestet. Dabei wird zwischen drei Zeiträumen und zwei Herangehensweisen unterschieden. Zeitlich wird ab 1980, 2000 und 2010 getestet. Einmal mit einen Short- und einmal mit einen Long-Einstieg. Es geht also im Test nicht darum im September zu kaufen, sondern im Mai Short einzusteigen.

ab 1980

ab 2000

ab 2010

Long ab 1980

Trefferquote in %

43,24

41,18

42,86

40,54

Durch. Gewinn in %

12,02

16,57

7,36

14,40

Max. Gewinn in %

35,05

35,05

16,24

41,31

Durch. Verlust in %

-12,15

-11,34

-10,10

-10,65

Max. Verlust in %

-49,77

-26,63

-14,44

-32,07

Anzahl Jahre

37

17

7

37

Gewinnjahre

16

7

3

15

Verlustjahre

21

10

4

22

Profitfaktor

0,75

1,02

0,55

0,92

Tabelle: Ein Test ab dem Jahr 2000 hätte dem Anleger mit einen Short-ETF auf den DAX pro investierten Euro einen Gewinn von 2 Cent gebracht. Besonders berauschend ist das nicht. Daten Börsencoach-Magazin.

Die Trefferquote pro Backtest-Zeitraum lag ungefähr bei 42 Prozent. Die Verlustjahre überstiegen in jedem Test die Gewinnjahre. Angesichts der hier gezeigten Zahlen, lässt sich nicht wirklich von einer profitablen Strategie sprechen. Im Gegenteil der Profitfaktor ist nicht zufriedenstellen.


Die Long-Strategie wurde gewählt, um einfach zu schauen, ob sich wenigstens das Gegenteil zur Strategie lohnt. Oftmals heißt es doch, dann machen wir genau das Gegenteil von dem, was gesagt wurde. Aber auch hier lässt sich kein Blummentopf gewinnen.

Sell in May and Go Away – DAX – Lukratives Handelskonzept?

Oben im Chart und im Video zeigt sich, dass die Sommermonate nicht unbedingt schlecht waren, lediglich ging der Markt in eine Seitwärtsbewegung über. Dennoch sollten genau dann die Cashbestände aufgebaut und das Treiben an der Börse von der Seitenlinie beobachtet werden. Häufiges Umschichten führt jedoch zu Transaktionsgebühren und schmälert so schlussendlich die Rendite. Deshalb muss die Strategie sich mit deinem persönlichen Handelsstil decken. Die Studien haben gezeigt, dass der Long-Einstieg im September/November und der daraus resultierende Verkauf der Positionen Ende April/Anfang Mai profitabel sein kann. Der Short-Einstieg Anfang Mai ist jedoch nicht anzuraten, denn hier wären zumindest in den letzten knapp 30 Jahren keine Überrenditen erzielt worden.


Zusammenfassend kann ich sagen, dass an der Börsenweisheit etwas dran ist. Eigentlich auch logisch, denn die Sommermonate animieren nicht zum Handeln, es ist warm, viele Entscheider sind im Urlaub und jeder hat besseres zu tun. Zum Ende des Jahres erhöht sich der Druck auf die Fonds und anderen Vertreter der Smart Money ordentliche Renditen vorzuzeigen, was nochmal die Kurse anfeuert. Der Ansatz ist also deutlich mehr als nur Kaffeesatz, es ist tatsächlich etwas dran.

Ich hoffe der Artikel konnte dir die Frage zur Lukrativität der Börsenweisheit beantworten.


Herzlichst,


Martin Brosy

Like: 0
Teilen