Wunschanalyse: Versicherungsaktien

Wunschanalyse Allianz

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HuberSascha am 12.11.2008, 14:58 (Gastkommentar)
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Wunschanalyse Allianz

Herzlich Willkommen zur Wunschanalyse von Sharewise.com in Zusammenarbeit mit dem Heibel-Ticker.de Börsenbrief. Unsere Mitglieder haben sich diese Woche eine Analyse der Allianz gewünscht.

Allianz laut Sharewise.com:

  Prognositiertes Kursziel kaufen halten verkaufen
44 Mitglieder Ø 122,91 € 42 - 2
14 Analysten Ø 107,23 € 9 5 -


Allianz (WKN 840 400, ISIN DE0008404005)
 

  
Firmenlogo der Allianz

1.) Fundamentale Analyse

Im Jahr 1890 nahm die ein Jahr zuvor in München durch Carl von Thieme und Wilhelm von Finck gegründete Allianz Versicherungs AG in Berlin ihren Geschäftsbetrieb auf. Die Gesellschaft wurde in den Anfangsjahren maßgeblich durch das Bankhaus Merck Finck & Co., die Dresdner Bank AG sowie der bereits zuvor durch Carl von Thieme und Wilhelm von Finck gegründete Münchener Rückversicherung finanziert. 1893 wurde dann in London, England die erste Filiale im Ausland eröffnet und 1895 wurden die Aktien des Unternehmens erstmals an der Berliner Börse gehandelt.

Seitdem hat die Allianz eine bewegte Geschichte hinter sich. So belastete im Jahr 1906 das große Erdbeben in San Francisco den damals noch jungen Versicherungskonzern schwer und auch als 1912 die Titanic sank musste die Allianz hohe Entschädigungszahlungen leisten. Bereits 1922 gründete die Allianz ihre Tochter Allianz Lebensversicherungs AG und übernahm in der Fusionswelle der 1920er Jahre mehrere Konkurrenten, u.a. die Frankfurter Versicherungs AG und die Bayrische Versicherungsbank AG.

Schließlich folgte eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte und auch der Geschichte der Allianz, denn im Dritten Reich unter Adolf Hitler versicherte der Konzern auch Unterorganisationen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei NSDAP sowie die Gebäude und das Personal der Konzentrationslager Dachau und Auschwitz. Darüber hinaus profitierte der Konzern auch von der Übernahme jüdischer Versicherungshäuser bzw. deren Kundenstamm.

Nach dem Krieg und der Blockade Berlins wurden schließlich die Konzernzentralen nach München (Allianz Versicherungs AG) und Stuttgart (Allianz Lebensversicherungs AG) verlegt. Als eines der ersten Unternehmen in der Bundesrepublik Deutschland setzte die Allianz dann auf neue Technologien und führte die Elektronische Datenverarbeitung für ihren Versichertenstamm ein. Dabei wurde ein Computer von IBM genutzt, der damals noch so groß war, dass eine ganze Halle dafür benötigt wurde und der mit Lochkarten gesteuert wurde.


Heutiger Hauptsitz der Allianz in München

1956 versuchte Merck Finck und Co. dann heimlich die Allianz Versicherungs AG komplett zu übernehmen, doch dieser Versuch scheiterte und so wurde der Anteil in Höhe von ca. 40% bis zum Jahr 1990 dann komplett veräußert. Seitdem war dann die Münchener Rück mit 25% der größte Anteilseigner des Konzerns, mit der man schon seit 1921 einen Rahmenvertrag über die "Grundsätze der Zusammenarbeit" unterzeichnet hatte.

Auch vom Zusammenbruch der damaligen DDR profitierte die Allianz, indem sie die Staatliche Versicherung der DDR übernahm. Ferner expandierte man mit dem Zusammenbruch des Ostblocks verstärkt in Osteuropa und auch der europäische Integrationsprozess wurde von der Allianz zur weiteren Expansion genutzt. So übernahm der mittlerweile zum weltgrößten Versicherungskonzern aufgestiegene Allianz Konzern im Jahr 1997 51% der Assurances Générales de France (AGF).

Im dann neuen Jahrtausend jedoch lief es zunächst nicht mehr so toll für den Versicherungsriesen. Zum Einen belastete der Anschlag auf das World Trade Center vom 11. September 2001 sowie die Konjunkturschwäche die Gesellschaft, zum Anderen schuf man sich durch die Übernahme der Dresdner Bank, mit deren Hilfe man von einem Versicherer zu einem Allfinanzkonzern werden wollte, auch eigene Probleme. Diese Probleme waren sogar so groß, dass man im Jahr 2002 den ersten Konzernverlust ihrer Unternehmensgeschichte.

Kürzlich konnte die Allianz ihr "Problemkind" Dresdner Bank dann aber an die Commerzbank veräußern und wird sich damit in Zukunft wohl aus dem Bankgeschäft weitestgehend zurückziehen, wenngleich man im Zuge des Verkaufs der Dresdner Bank an die Commerzbank zum Großaktionär der Commerzbank aufsteigen wird.

Trotz der Trennung von der Dresdner Bank leidet die Allianz natürlich unter der derzeitigen Finanzkrise, was man auch am Aktienkurs ablesen kann. Dieser ist von im Hoch bei fast 180 Euro vor einigen Monaten auf im Tief unter 50 Euro vor wenigen Tagen regelrecht zusammengebrochen. Nach den am Wochenende vorgelegten Quartalszahlen befindet sich die Aktie aktuell wieder auf dem Weg nach unten. Doch die Allianz existiert seit mittlerweile fast 120 Jahren und hat dabei schon viele Wirtschaftskrisen, ja sogar zwei Weltkriege, überlebt. Und es ist davon auszugehen, dass dem auch dieses Mal wieder so sein wird.

Gerne würde ich nun zusammen mit Ihnen, wie ja auch sonst immer, einen Blick auf die fundamentale Bewertung der Allianz Aktie werfen, doch das ist so gut wie nicht möglich. Denn aufgrund der seit Monaten tobenden Finanzkrise gibt es aktuell keine zuverlässigen Analystenschätzungen zum Konzerngewinn. Auf Basis der bisherigen Analystenschätzungen läge das KGV bei einer Marktkapitalisierung von ca. 25 Mrd. Euro bei etwa 5 sowie die Dividendenrendite bei über 8%, womit die Aktie natürlich ein absolutes Schnäppchen wäre. Aber wie gesagt - vergessen Sie das, denn die Allianz selbst rechnet, sollten sich die Aktienmärkte bis zum 31.12.2008 nicht deutlich erholen, mit Abschreibungen auf Wertpapiere in Höhe von über 1 Mrd. Euro.

Daher schenken wir uns heute einmal den Blick auf die aktuelle Bewertung und blicken etwas in die Zukunft. Denn auf mittlere bzw. lange Sicht, so sieht es auch die Allianz selbst, wird der weltgrößte Versicherungskonzern wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Ja, mittel- bis langfristig wird die Allianz wohl wieder einmal als einer der Gewinner aus der derzeitigen Krise hervorgehen, denn vergessen wir nicht, dass sich Konkurrenten wie die American International Group selbst in große Probleme gebracht haben. Die Allianz hingegen hat sicher schon bessere Zeiten gesehen, aber in ihrer Existenz gefährdet ist das Unternehmen nicht und man hat mit dem Kauf einer Beteiligung bei der amerikanischen Hartford Financial Services Group schon angedeutet, dass man diese Krise durchaus auch als Chance begreift.

Aus fundamentaler Sicht lautet das Fazit daher, dass die Allianz Aktie aktuell schon recht günstig zu haben ist, man aber zugleich nicht ausschließen kann, dass die Aktie bald noch billiger zu haben sein wird. Um eine Kaufempfehlung für die Allianz Aktie auszusprechen, ist es daher noch etwas zu früh, denn dazu fehlt noch eine nachhaltige Bodenbildung und zwar sowohl in der Aktie selbst als auch im DAX.

 

2.) Charttechnische Analyse

Allianz, Chart, 3 Jahre

 

Allianz, Chart, 1 Jahr

 

Auch heute habe ich wieder den langfristigen 3-Jahres-Chart sowie den kurzfristigeren 1-Jahres-Chart mitgebracht. Und hieraus ergibt sich heute auch 2 Mal dasselbe Bild, dass jedoch nicht gerade für die Allianz Aktie spricht. Wie man im langfristigen 3-Jahres-Chart erkennen kann, hat die Aktie im Jahr 2007 ein Topp bei etwa 180 Euro ausgebildet und damit die Trendwende zum schlechten eingeleitet. Im Bereich 100 Euro bis 110 Euro wurde der in 2007 eingeleitete Abwärtstrend kurz unterbrochen und die Aktie versuchte einen Boden zu finden. Dies gelang jedoch nicht und mit dem Bruch der 100 Euro Marke beschleunigte sich die Abwärtsbewegung dann nochmals, was kürzlich zu Kursen unter 50 Euro führte.

Genauer kann man die Bewegungen im kurzfristigeren 1-Jahres-Chart sehen. Hier erkennt man einen zunächst flachen Abwärtstrend sowie die eben schonmal angesprochene versuchte Bodenbildung im Bereich um 100 Euro. Als diese dann nicht gelang und der Kurs unter 100 Euro fiel, beschleunigte sich die Abwärtsbewegung dann. Aktuell - und das kann man sehr deutlich sehen, befindet sich die Aktie in einem nach wie vor voll intakten Abwärtstrend und es ist noch kein wirklicher Bodenbildungsversuch erkennbar.

Aus charttechnischer Sicht kann daher keinerlei Entwarnung gegeben werden. Die Allianz Aktie befindet sich nämlich schon seit einiger Zeit in einem voll intakten Abwärtstrend und noch ist keine Bodenbildung abzusehen. Es wäre zwar theoretisch möglich, dass die Aktie im Bereich 48 Euro einen Bodenbildungsversuch starten könnte, aber dies heute schon zu prognostizieren, wäre wenig seriös. Und sollte sich bei 48 Euro kein Boden abzeichnen, so wären selbst Kurse um oder gar unter 40 Euro noch möglich.

Kurzfristig muss man die Allianz Aktie daher weiter mit SELL einstufen, wobei die Chance - nicht mehr, aber auch nicht weniger - auf eine Bodenbildung bei 48 Euro besteht. Mittel- bis langfristig hingegen wird die Aktie nach einer solchen Bodenbildung mit ziemlicher Sicherheit auch wieder bessere Zeiten sehen. Man erinnere sich an die letzte "Rezession" der Jahre 2001/2002, als die Allianz Aktie bis auf 45 Euro abstürzte um sich danach zu vervierfachen. Ähnliches dürfte auch diesmal wieder passieren. Da das Timing für einen Einstieg aber noch nicht ideal ist, möchte ich noch keine mittel- bis langfristige Empfehlung abgeben. Die Aktie sollte jedoch auf keiner Watchlist fehlen und sofern die Bodenbildung im Bereich 48 Euro gelingt wäre sie dann ein STRONG BUY...


Allianz Arena, München

 

3.) Sentimenttechnische Analyse

Bei der Sentimentanalyse der Allianz Aktie kann man es heute relativ kurz machen. Ein einziger Blick auf die weiter oben abgebildete Tabelle genügt und jedem dürfte klar sein, dass die Stimmung zu der Aktie aktuell sehr positiv ist. Und dies, obwohl sich die Aktie vom Topp aus gesehen mehr als gedrittelt und in den letzten Wochen in etwa halbiert hat.

So existieren aktuell 14 Analystenempfehlungen und 44 Mitgliederempfehlungen in der ShareWise Datenbank. Unter den Analysten gibt es dabei 9 Kaufempfehlungen und 5 Halteempfehlungen wohingegen die ShareWise Mitglieder 42 Kaufempfehlungen und nur 2 Verkaufsempfehlungen ausgesprochen haben. Dabei liegt das durchschnittliche Kursziel der Analystenzunft bei 107,23 Euro und bei den ShareWise Mitgliedern sogar bei 122,91 Euro. Nur mal zum Vergleich dazu der aktuelle Kurs der Allianz Aktie: 55,48 Euro.

Die Analysten billigen der Aktie damit also ein Kurspotential von 93,28% zu und die ShareWise Mitglieder sogar ein Kurspotential von 121,54%. Und dies alles bei einer DAX Aktie, die sich vom Topp aus geviertelt und alleine in den letzten Wochen im Kurs halbiert hat.

Bei der Allianz Aktie sehen wir derzeit also den klassischen und schlimmsten denkbaren Fall einer einerseits sehr, sehr bullishen Stimmung gegenüber der Aktie bei einer gleichzeitig sehr baerishen Kursentwicklung. Somit ist die Aktie der Allianz auch aus sentimenttechnischer Sicht ein klarer Verkauf, sprich STRONG SELL.

 

4.) Zusammenfassung

Fassen wir damit, wie immer, die Ergebnisse der einzelnen Analysemethoden zusammen. Fundamental wäre die Aktie zwar ein Kauf, jedoch kann man die aktuellen Analystenschätzungen getrost vergessen, so dass uns die fundamentale Analyse nicht weiter bringt. Denn das KGV von 5 und die Dividendenrendite von mehr als 8%, die derzeit im Raum stehen, kann man getrost vergessen.

Charttechnisch ist die Aktie in einem vollintakten Abwärtstrend gefangen und hat allenfalls eine kleine, vage, Chance auf eine Bodenbildung im Bereich 48 Euro. Jedoch ist diese keineswegs zwangläufig und mit derzeit 55,48 Euro notiert der Wert auch noch mehr als 10% über dem möglichen - und ich betone nochmal möglichen - Boden. Daher ergibt sich charttechnisch ein kurzfristiges STRONG SELL, mittel- bis langfristig hingegen sieht es etwas besser aus, wobei aber das Timing für einen sofortigen Einstieg noch nicht gut ist.

Und dieses charttechnisch sehr negative Bild der Allianz Aktie wird dann auch noch durch das für diesen Kursverlauf viel zu positive Sentiment gegenüber der Aktie unterstrichen. Ganz ehrlich müsste man auf Basis der Sentimentanalyse die Allianz Aktie nicht nur mit STRONG SELL, sondern sogar mit STRONGEST SELL einstufen, denn schlimmer als hier kann die Stimmungslage eigentlich nicht sein (äußerst positive Stimmung bei sehr negativem Kursverlauf).

Daher stufe ich die Allianz Aktie heute mit kurzfristig STRONG SELL und einem Kursziel bei 48 Euro ein. Eine konkrete langfristige Empfehlung möchte ich hingegen nicht aussprechen, denn mittel- bis langfristig wird sich die Aktie - da ich keine Insolvezgefahr für das Unternehmen sehe - durchaus wieder deutlich erholen. Allerdings ist das kurzfristig von mir genannte Kursziel von 48 Euro fast schon der "Best Case" und es könnte sogar durchaus noch auf 45 Euro oder gar 40 Euro nach unten gehen.

Quellenverzeichnis: Die Unternehmensgeschichte der Allianz basiert auf dem Artikel zur Allianz (Versicherung) bei Wikipedia Deutschland.

 

 

Über den Autor

Sascha Huber, Jahrgang 1978 und wohnhaft in Trier, ist schon seit Zeiten des damaligen Neuen Marktes als intimer Kenner der Hightechbranche bekannt. Er betrieb in den Jahren 1998 bis 2001 zusammen mit einem Partner eine der damals führenden Börsenhotlines sowie eines der damals führenden Börsenportale und gehörte damit zu den Ersten, die das Potential von Aktien wie Amazon.com, eBay oder Intershop Communications erkannten. Im Gegensatz zu vielen anderen Experten riet er allerdings rechtzeitig im März 2000 zum Ausstieg aus dem Neuen Markt und warnte sehr frühzeitig vor Luftnummern wie ComROAD, Gigabell oder Infomatec. Mittlerweile gehört er zu den aktivsten Sharewise Mitgliedern und zeichnet sich dabei durch exzellentes Börsen Know How aus. Dabei liegt seine Spezialität unverändert im Hightechsektor, den er aufgrund eines Informatikstudiums auch bestens einschätzen kann. 

 

 

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Stimmen Sie daher hier ab, welche Aktie eines amerikanischen Baukonzerns ShareWise Experte Stephan Heibel für Sie nächste Woche an dieser Stelle analysieren soll?

  • Centex Corp.
  • D.R. Horton Inc.
  • KB Home
  • Pulte Homes
  • Toll Brothers

HuberSascha am 12.11.2008, 14:58
Der Text ist die persönliche Meinung des Autors und spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung von sharewise.com wieder.

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