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Hypo Real Estate wackelt erneut, Wochenausblick
von Uli Lotter (Investor´s Daybreak)
In der letzten Woche machte ein DAX-Wert von sich reden: Die Hypo Real Estate (HRE). Am letzten September-Wochenende wurde bekannt, dass der Immobilienfinanzierer in Schieflage geriet und nur durch umfassende Zusagen – inklusive einer Bürgschaft der Bundesrepublik – gerettet werden konnte.
Nach einem dramatischen Kursverlust am Montag gab es für die Aktie nur eine Richtung: Aufwärts. Als dann noch der Vorstand des Instituts davon sprach, dass die Situation endgültig geklärt und selbst eine Kapitalerhöhung nicht notwendig sei, ging die Aufwärtsbewegung unvermindert weiter.
Doch damit dürfte es heute vorbei sein: Während sich die EU-Regierungschefs mit der Finanzmarktkrise auseinandersetzen und Lösungen entwickeln, wie so etwas in Zukunft verhindert werden kann, in den USA unterdessen der Rettungsplan gebilligt wird, gibt es hierzulande Meldungen, die für Unruhe und Misstrauen sorgen dürften. Die HRE gab am Samstagabend bekannt: „Das letzte Woche der Hypo Real Estate Group zugesagte und angekündigte Rettungspaket in einer Gesamthöhe von bis zu EUR 35 Mrd. für einen Zeitraum bis in 2009 ist derzeit nicht länger gültig. Die vorgesehenen Maßnahmen sahen zunächst eine Liquiditätslinie einer Gemeinschaft mehrerer beteiligter Finanzinstitute vor. Diese Zusage wird nicht aufrechterhalten. Die Gruppe prüft die daraus drohenden Konsequenzen für die Einheiten des Konzerns. Es wird nach alternativen Maßnahmen gesucht.“
Zu dieser Ankündigung kam es, nachdem klar wurde, dass die Hypo Real Estate deutlich mehr Geld brauche als bisher bekannt. Nach Medienangaben fehlen dem Institut bis Jahresende bis zu 50 Mrd. Euro und bis Ende 2009 sogar 70 bis 100 Mrd. Euro.
Was bei einer Pleite der Hypo Real Estate passieren kann, darauf machte Bundesfinanzminister Steinbrück in der vergangenen Woche aufmerksam: Auf Grund der der starken Verflechtung in der Finanzbranche könnte diese zu einer allgemeinen Bankenkrise in Deutschland führen. Die Bundesbank und die Finanzmarktaufsicht Bafin hatten vergangene Woche vor „unabsehbaren Folgen für das gesamte deutsche Finanzsystem“ gewarnt, falls die Bank kollabieren sollte. Zumal auch – auf Grund der Tochter Depfa – der Pfandbriefemarkt zusammenbrechen könnte.
Dass am Wochenende bei allen Gesprächspartnern – Bundesregierung, Finanzmarktaufsicht und Kreditinstituten – die Köpfe rauchten, war klar. Ein Ergebnis konnte bis Redaktionsschluss allerdings nicht präsentiert werden. Nun geht das Zittern weiter – die Krise erreicht damit hierzulande einen weiteren Höhepunkt.
Wochenausblick: Quartalsberichtssaison beginnt
Während die Finanzmarktkrise noch immer für Gesprächsstoff sorgt und die Befürchtung einer Rezession größer wird, beginnt in den USA in dieser Woche die Quartalsberichtssaison.
Zum Wochenauftakt werden der Rettungsplan der USA sowie die Geschehnisse rund um die Hypo Real Estate für genügend Gesprächsstoff sorgen. Nach den schwachen US-Vorgaben von Freitagabend sowie der jüngsten Entwicklung um die HRE müssen wir uns auf zum Handelsauftakt sinkende Kurse einstellen.
Am Dienstag werden in den USA das Fed Sitzungsprotokoll vom 16.09.08 und die Angaben zu den Verbraucherkrediten publiziert. Vom Statistischen Bundesamt werden die Daten zu den Industrieaufträgen veröffentlicht. Am Abend beginnt mit dem Zwischenergebnis der Alcoa Gruppe traditionell die Quartalsberichtssaison. SAS und Air Berlin legen unterdessen die Verkehrszahlen vor.
Zur Wochenmitte werden in Deutschland die Zahlen zur Industrieproduktion vorgelegt. In den USA legen Costco Wholesale den Rechenschaftsbericht vor.
Am Donnerstag sorgen in den USA die Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe und die Lagerbestände und Umsätze des Großhandels für Gesprächsstoff.
Am Freitag gibt es in den USA die Handelsbilanz, die sich auf die Entwicklung am Devisenmarkt auswirken dürfte. Zahlen wird es dann von General Electric geben.
Deutsche Telekom mit dem nächsten Skandal
In diesen Tagen frage ich mich mitunter, in welcher Zeit wir eigentlich leben: Die Bankenwelt bricht zusammen, Schmiergelder bestimmen – so bekommt man den Eindruck, wenn man den Siemens-Prozess verfolgt hat – das Geschäftsgebaren und die persönlichen Daten sind auch nicht mehr sicher.
Können Sie sich noch daran erinnern, als es in Großbritannien in den vergangenen Monaten zu einem Datenskandal nach dem anderen kam? Datenträger mit Steuernummern und Bankverbindungen gingen verloren. Doch die deutsche Politik beruhigte – so etwas sei in Deutschland nicht möglich.
Kaum haben wir uns wieder beruhigt, schreckten Abhörungs- und Überwachungsversuche wieder auf. Bei Lidl wurden die Mitarbeiter per Kamera überwacht und in einigen Unternehmen gab es Überwachungskameras in den Umkleiden. Bei Vorstandsmitgliedern von Porsche fand man Babyphone in den Hotelzimmern, die zum Abhören dienen sollten. Noch einen Schritt weiter ging man unterdessen bei der Deutschen Telekom: Hier hörte man Gespräche zwischen Vorstandsmitgliedern und Journalisten ab.
Doch schnell gelobte der T-Konzern Besserung. Nun hat die Unternehmensführung aber ein noch größeres Problem: Mehr als 17 Millionen Kundendaten mit privaten Angaben wie Adressen, Geburtsdaten, Handynummern und teils auch E-Mail-Adressen wurden bei der Mobilfunksparte T-Mobile gestohlen. Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet, seien neben den Daten von Prominenten wie Günther Jauch und Hape Kerkeling "auch eine erstaunliche Anzahl geheimer Nummern und Privatadressen von bekannten Politikern, Ministern, Ex-Bundespräsidenten, Wirtschaftsführern, Milliardären und Glaubensvertretern" enthalten.
Da interessiert es kaum, dass die Deutsche Telekom den Diebstahl, der bereits im Frühjahr 2006 stattfand – allerdings tauchten die Daten bei Dritten erst jetzt wieder auf - umgehend bei den zuständigen Staatsanwaltschaften angezeigt habe.
Nachdem die Telekom in den vergangenen Monaten das Vertrauen der Anleger missbraucht hat, gerät es jetzt wohl auch bei den Kunden in die Kritiklinie. Für Gesprächsstoff und Aufarbeitung der Geschehnisse ist gesorgt – eine bloße Entschuldigung dürfte nicht ausreichen.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche.
Uli Lotter
Autor Investor´s Daybreak



